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Oberrunde am 4. Juni 2014

Die Oberrunde zu Besuch bei der Bahnhofsmission

Das Jahr 2014 steht für uns Oberrunde unter dem Motto der christlichen Nächstenliebe. Um zu erfahren, wie diese in der heutigen Zeit gelebt werden kann und muss, machten wir uns auf den Weg in die Bahnhofsmission im Hauptbahnhof.

Dort wurden wir von Frau Tina Kockmann freundlich begrüßt, die uns sogleich in die Geschichte der Bahnhofsmissionen, sowie den ungefähren Arbeitsablauf einweihte. "Ungefähr" daher, da man, laut Kockman, nie sagen könne, mit welchen Schicksalen man innerhalb der nächsten Minuten konfrontiert werde.

Ursprünglich wurden die ersten Bahnhofsmissionen vor 120 Jahren zum Schutz reisender Frauen vor dem Bahnhofsmillieu eingerichtet. Dort konnten sie Schutz vor der an den Bahnhöfen vorherrschenden Kriminalität suchen, sowie Unterstützung bei der Planung der Reise oder Hilfe bei der Suche nach Unterkunft erhalten.

Egal ob krank, arm, wohnungslos, bestohlen, ohne Schlafplatz, hungrig, durstig oder verletzt: Kockmann und ihr Team, bestehend aus durchschnittlich 40-50 ehrenamtlichen Mitarbeitern zwischen 16 und 80 Jahren, bieten nun Tag für Tag am Gleis Nr. 12 Unterstützung für Reisende unterschiedlichster Herkunft an. Egal woher man mit welchen Problemen auch immer zur Bahnhofsmission kommt, man erhält schnelle und unkomplizierte Hilfe.

Kockmann, die in ihrer Studienzeit eher zufällig durch ein Praktikum an zur Bahnhofsmission gekommen ist, jedoch nie wieder von dort weg wollte, berichtete während unseres Besuches von den unterschiedlichsten Ereignissen.

Da wären Geschichten von Rentnern, die alleine im Schlafanzug bis nach Hamburg gefahren sind und nun von ihren Verwandten vermisst werden, von Menschen auf der Flucht, die ohne Geld in ein anderes Land ausreisen müssen, oder auch andere wie jene vom selbsternannten "Meister des Universums" der sich sein Leben lang mit "Energievampirismus" beschäftigt und immer wieder Kunde der Bahnhofsmission ist.

"Man springt", so Kockmann, "permanent zwischen den Lebenswelten. Auf die Frage, wie man diese ständige Flut von Problemen bewältigen könnte, antwortet Kockmann: "Man muss verrückt sein, um hier zu arbeiten."

"Verrückt", das sind anscheinend nicht nur sie, sondern auch die durchschnittlich 40-50 Ehrenamtlichen, die Tag für Tag neben ihren Berufen und Verpflichtungen ihre Arbeitskraft und Zeit zur Verfügung stellen. Die Zeit, so Kockman, die man den Klienten der Bahnhofsmission schenkt, um Probleme zu besprechen und Lösungswege zu suchen, oder einfach einen Hauch Normalität spüren zu dürfen, diese Zeit und Hingabe sei die größte Spende die die Bahnhofsmission geben könne.

Not macht erfinderisch

Da die von Seiten der katholischen und evangelischen Kirche zur Verfügung gestellten Mittel begrenzt sind, ist ein Großteil der Arbeit der Bahnhofsmission an Spenden gebunden. Egal, ob es sich um Schuhe, Jacken, Spielzeug, Nahrungsmittel oder Geldspenden handelt: Bei der Bahnhofsmission kann alles gebraucht werden. Selbst ungewöhnliche Spenden wie eine Kollektion von Skianzügen aus Ballonseide haben ihre Abnehmer gefunden, schmunzelt Kockmann, denn diese konnte man den über den Gesamten Winter an den bunt gemusterten Anzügen erkennen.

Für uns als Dommessdiener war der Besuch bei der Bahnhofsmission höchst informativ, denn es war uns so möglich, einerseits Einblicke in Lebenswelten zu erhalten, die uns sonst verborgen geblieben wären und andererseits zu lernen, auf welche direkte und praktische Art und Weise man das Prinzip der Nächstenliebe heutzutage leben kann. Es wurde uns klar, dass, so schlimm das Einzelschicksal auch ist, geschenkte Zeit, Aufmerksamkeit und persönlicher Einsatz sehr viel bewirken.

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