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Oberrunde am 21. Mai 2014

Weihbischof Dr. Dieter Geerlings besuchte die Oberrunde zum Thema Flüchtlinge in Deutschland

Zurzeit befinden sich ungefähr 45 Millionen Menschen auf der Flucht und damit zum Vergleich mehr als die Hälfte der Bevölkerung Deutschlands. Von diesen sind circa 20 Millionen Kinder und Jugendliche, also nicht älter als 16 Jahre. Einige fliehen aus ihrem Land, andere, die innerhalb ihres Landes fliehen, nennt man Binnenflüchtlinge.

Weihbischof Geerlings wurde im August 2010 im St.-Paulus-Dom zu Münster zum Bischof geweiht, ist im Bistum Münster als Weihbischof für die Region Coesfeld-Recklinghausen zuständig und in der Deutschen Bischofskonferenz stellvertretender Vorsitzender der Kommission für Migration. Er selbst sieht seine Beschäftigung mit den geltenden Flüchtlingsrichtlinien und -gesetzen als "meine persönliche Aufgabe an, die mich schon so manche Nacht beschäftigt hat".

Vom Fußballkicker zum Kriegsflüchtling

Weihbischof Geerlings erzählte uns eindrücklich und handfest, welche Probleme und Sorgen Flüchtlinge haben. Er berichtete uns von einem typischen Beispiel:
"Stellt euch vor, ihr seit 17 Jahre alt und spielt Fußball", beginnt Herr Geerlings, "und dann kommt ein Truck, maskierte und bewaffnete Männer steigen aus und ihr findet euch auf dem Lastwagen wieder." Dieses Szenario findet sich täglich in Bürgerkriegsländern und Konfliktregionen, denn so werden Kindersoldaten rekrutiert und ist oftmals der Anfang einer langen Flucht von tausenden von Kilometern, denn manchen gelingt der Ausbruch aus den Militälagern. Sie versuchen dann nach Europa zu kommen. "Also gehen sie los, 1000, 2000, teilweise 3000 Kilometer durch die Wüste, bis sie auf Menschenschlepper treffen. Dort brauchen sie Geld, um in einem Flugzeug nach Deutschland zu gelangen." erklärt Weihbischof Geerlings der Oberrunde. Durch Kriminalität mit Drogen und Raub beschaffen Flüchtlinge sich das Geld und damit von Menschenschleppern das Ticket zur Flucht nach Deutschland.

Gestrandet am Fraport

Menschen aus dem Nahen Osten stranden dann oft auf dem Frankfurter Flughafen. Dort gibt es eine zentrale Sammelstelle. In ihr werden alle Flüchtlinge wie in einer Haftanstalt untergebracht, da ihnen der Pass von den Menschhändlern abgenommen wurde und das Einreisen ohne Pass eine Straftat darstellt.

Weihbischof Dieter Geerlings betont aber ganz klar, dass "alle Menschen, die dort ihre Arbeit tun, dies vollkommen richtig und redlich tun. Sie geben ihr Bestes. Ich war selbst vor einiger Zeit vor Ort." Die Bedingungen sind "kein rechtliches, sondern ein politisches Dilemma". Dieter Geerlings und die Deutsche Bischofskonferenz haben daher mehrmals und eindringlich auf diese Missstände hingewiesen. Er sieht es als wichtig an, dass "die Kirche gemeinsam – evangelisch die Katholisch – hier den Finger in die Wunde legen und auf die Missstände hinweisen".

Deutsche Hilfe für Flüchtlinge

Die Bundesrepublik hilft und nimmt besonders Flüchtlinge aus Libyen auf. Das Kontingent ist auf bis zu 10.000 ausgelegt. Bei den Flüchtlingen wird darauf geachtet, dass sie in der Lage sein werden, ihren Lebensunterhalt eigenständig zu verdienen. Damit sind zwar deutsche Möglichkeiten nicht ausgeschöpft, aber vielen Menschen auf der Flucht schon geholfen.

Willkommenskultur

Die Deutsche Bischofskonferenz mit ihrer Kommission für Migration fragt sich selbst, ob es richtig ist, Flüchtlinge wie Sträflinge zu behandeln. "Einen Jugendlichen also, der nichts verbrochen hat, außer einzureisen, so einzusperren", so Herr Geerlings. "Größere Akzeptanz kultureller Ausprägungen" fordert der Weihbischof daher für Deutschland ein und hofft auf eine höheres Engadement des Bundes. Eine "offene Kirche und eine Willkommenskultur in unseren Gemeinden, in der jeder angenommen wird", das wünscht sich Weihbischof Geerlings abschließend von allen Christen in der Zukunft.

Tobias Jeising

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